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Schlittenhunde, Schlittenhunderennen und Schlittenhundesport Termine

Ein kleiner Bericht der etwas anderen Art


Von Peter Langguth  

Wie die geneigten Leser meiner Berichte wissen, schreibe ich am liebsten solche über tolle Erlebnisse mit unseren Hunden, sei es im Schnee, der Wagensaison, Wanderungen,Training oder Zucht. Nun hat sich in diesem Winter ein Zwischenfall mit einem unserer Nachkömmlinge ereignet, den ich nicht einfach so vorüber ziehen lassen will.

Angel unsere junge Hündin, Pausenclown, Zicke, Arbeiter nach Lustprinzip (was sich langsam bessert), einfach eine, der man auch kleine Fehler gerne verzeiht, weil man nicht anders kann, hatte da mal ein Problem.

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Der Grund weshalb ich darüber berichte ist ganz einfach der, dass 4 Tierärzte, durchaus erfahrene Vertreter ihrer Zunft, ein kleines diagnostisches Problem hatten. Nachdem ich gerade gestern nochmal mit Tara zu einerUntersuchung war bei Tierarzt Nr. 5 und ich ihm die folgende Quizfrage gestellt habe, ohne wirklich zum Kern des Pudels zu kommen, möchte ich diese hier noch einmal stellen.

Was hätte Sie füreine Differentialdiagnose, bei folgenden Symptomen:

Deutlich makroskopischerkennbar Blut im Urin, Fieber 40,7°C, Hämatokritwert von 27%.

Der besorgniserregende Hämatokritwert wurde allerdings erst am zweiten Tag ermittelt, weil die Blutanalytik so lange dauerte. Hier hatte Tierarzt Nr. 5 einen kleinen Vorteil gegenüber 1 + 2. Hat aber nicht wirklich etwas gebracht, denn die Differentialdiagnose war wie bei allen anderen Kollegen auch.

Man tippte auf Blasenentzündung, Babesiose, Autoimmunhämolytische Anämie, Leptospirose und behandelte angesichts der Notsituation entsprechend.

 

Aber das Ganze mal vonVorne:

16 00 UhrRaubtierfütterung an einem kalten, schneereichen Januarabend bei den Carinthian Mountain Mals im oberen Metnitztal. Alles war wie immer,das C-Team hat brav sein Futter inhaliert und in ca. 2 Minuten waren die Schüsseln geputzt. An diesem Abend hatten Tara und AikoHausdienst. Zwei unserer Hunde kommen abwechselnd jeden Tag für eine paar Stunden zu uns ins Haus, das schafft Bindung und hat sich bewährt. So gegen 22 00 Uhr kommen sie dann wieder zurück zu den anderen. Wir sind in der glücklichen Lage, unsere Malamuten alle zusammen in einem Gehege halten zu können. Dann gibt es noch einen Keks zu dem manche Betthupferl sagen.

Angel spuckte mir den Keks vor die Füße, auch nach mehrmaliger Aufforderung wollte sie ihn nicht zu sich nehmen. Es war klar, hier ist Gefahr im Verzug. Angel will ihren Keks nicht – Hilfe!

Sie ist dann mit mir ins Haus gegangen, weil ich mir das doch etwas näher ansehen wollte. Aufdem Weg dorthin hat sie gepinkelt. Es lag Schnee und der war rot nachdem sie weitergegangen war. Upps, was war das – mein erster Gedanke Blasenentzündung, komisch bei einem Malamuten, aber es gibt nichts was es nicht gibt. Also erst mal Fieber messen – positiv –40,7°C. Hier war medizinische Hilfe vom Fachmann gefragt, den ichdann auch gleich kontaktierte und um ca. 23 00 Uhr saß Angel dortauf dem Tisch.

Erste schnelle Diagnose Blasenentzündung, mit einer Gabe hochdosierter Antibiotika solltesich das bis zum nächsten Tag schon deutlich bessern. Also nach Hause gehen und abwarten bis der nächste Tag kommt.

Der nächste Tag kam, die Besserung nicht. Also schnell nochmal zum Tierarzt (TA). Es war eine Blutprobe gefragt, Ihr Urin immer noch deutlich blutig. Vorläufig wurde zum Antibiotikum erst mal Cortison verabreicht, um mögliche Entzündungsherde zu bekämpfen. Das Blutbild war nachmittags da. Deutlich zu wenig rote Blutanteile, 27% von normal 50 eher 55% bei gut trainierten Hunden, also sind wir nochmal zum TA gegangen, hier wurde Angel eine Infusion von einem Vitamincocktail und Plasmaexpander gegeben. Der Plasma Expander sollte wahrscheinlicheine Stabilisierung oder Zunahme des Volumens in den Blutgefäßen bewirken. Bringt für den Sauerstofftransport nichts, hilft aber erstmal zu überleben.

Der nächsteTag war Sonntag, die gleiche Prozedur wie tags zuvor, Infusionen. Angel ging es zusehends schlechter. In der Not habe ich per Email noch sonntags einen Kontakt zu einem TA in Deutschland erreicht und ihm die Sachlage geschildert.

Diagnose:Babesiose (unwahrscheinlich da von Zecken übertragen und es war Januar), Leptospirose (Hund ist geimpft, aber es gibt neue Stämme. Warum waren dann aber die anderen im Rudel gesund), Autoimmunhämolytische Anämie (Größter denkbarer Unfall, weil bei allem was ich darüber wusste, der Hund nur dann wirklich eine Chance hat, wenn man die veterinärmedizinische Uniklinik im nächsten Haus hat. Nicht aber im oberen Metnitztal).

Wie dem auch sei Angel ging es besch…… Sie konnte kaum noch laufen nach wenigen Metern ist sie einfach umgefallen und hatte diesen Blick inden Augen, der sagte, dass jetzt tatsächlich Gefahr im Verzug war.

Montagmittag hatte ich dann einfach mal Tara prophylaktisch mit zum TA genommen,nur so ein Gefühl. Angel brauchte dringend Blut, die Ausscheidung über den Urin hat nicht nachgelassen und der Allgemeinzustand der Kleinen war beängstigend. Hierzu wurde dann TA Nr. 4 aufgesucht, der die entsprechenden Utensilien zur Bluttransfusion hatte. In Begleitung von TA Nr. 2 der Assistentin von TA Nr. 1 machten wir unsauf den Weg.

An dieser Stelle ist es Zeit, kurz mal eineLanze für die involvierten Tierärzte zu brechen. Der Einsatz aller Beteiligten war großartig. Es ging hier um Nacht- und Wochenendarbeit. Die Dame und die Herren haben ihrer Zunft wirklich alle Ehre gemacht, mit dem kleinen Beigeschmack, dass Angel immer noch mehr tot als lebend war.

In die Praxis von TA Nr. 4 musste ich Angel bereits tragen. Sie war nichtmehr im Stande, sich auf den Beinen zu halten. Erneutes Blutbild, der Hämatokritwert war bei 15% angelangt und das innerhalb kürzester Zeit. Jetzt kam Tara ins Spiel, sie hat sich mit Engelsgeduld 300ml Blut abnehmen lassen, was nicht einfach war, es dauert fasst 2 Stunden und erforderte 7 Einstiche bei Angels Mutter, weil die Kanülen immer wieder zu waren. Zu guter letzt hatte es dann aber geklappt und in weiteren 1,5 Stunden bekam Angel dann den wertvollen Saft. Nebst einer Behandlung gegen Babesiose, die auch ich für angezeigt hielt, weil was tun wir wenn das wirklich dieUrsache gewesen wäre. Dann wäre die Lebenserwartung für denPatienten maximal noch 24 Stunden gewesen.

Der Lebenssaft verfehlte seine Wirkung nicht, Angel ist relativ normalmit mir zum Auto gelaufen und auch ohne Hilfe hinein gesprungen. Wir waren begeistert, wohl wissend, dass es eine Frage der Zeit war, bis auch das frische Blut sich wieder zersetzt haben sollte und wir am Anfang waren, wenn man die Ursache dieser Hämolyse nicht bekämpfen kann.

In derFolge haben wir dann, mittlerweile wieder bei TA Nr. 1 täglichVitamin- und Plasmaexpanderinfusionen gegeben und wir hatten den Eindruck, dass sich innerhalb kurzer Zeit Besserung einstellte. AmTag nach der Blutübertragung hatten wir noch ein Blutbild machen lassen, in das Zink als Parameter aufgenommen wurde.Meine persönlichen Internetrecherchen haben ergeben, dass Hundeextrem auf Zink reagieren. Schon geringe Mengen können da fataleWirkung haben. Tatsächlich hatte Angel eine hohe Dosis Zink im Blut. Die Normalwerte waren um das 8-fache überschritten und das zu einem Zeitpunkt, wo man davon ausgehen durfte, dass schon einiges an Zink wieder ausgeschieden war, denn der Höhepunkt war deutlich überschritten.

Interessanterweise stellt sich eine Zinkvergiftung genau so dar wie Babesiose,Autoimmunhämolytische Anämie oder Leptospirose, nämlich mit deutlichen Blutausscheidungen über den Urin und plötzlichem hohem Fieber.

Um diegeneigte Leserschaft, die bis hierher durchgehalten hat, nicht überGebühr zu beanspruchen, möchte ich nur noch kurz mitteilen, dass es Angel 3 Tage nach der Transfusion von Taras Blut wieder gut ging. Sie konnte wieder mit ihrem Rudel durch den Schnee rennen und auch wieder im Zwinger einziehen. Genauso schnell wie sie umgefallen ist, ist sie auch wieder aufgestanden. Renneinsätze haben wir ihr allerdings nicht mehr zugemutet und sie hat uns bei der WM in Werfenweng in den steilen Anstiegen sehr gefehlt. Im März in Innerkrems war die „Kleine“ dann schon wieder mit von der Partie und konnte die Abschlusstour der diesjährigen Saison mit ihrem Team bestreiten. Zwar gab es hierfüreinige Häme von spezieller Musherseite, wo der Rennstatus diese Tour als alpines Wandern mit Hund beschrieben wurde. Wir waren allerdings richtig froh, dass wir diese Wanderung zu fünft durchführen zukonnten und 2 x 25 km mit 1400 m Höhendifferenz müssen von Rekonvaleszenten erst mal geschafft werden. Da ist Vernunft angesagt und nicht Rennfieber.

Die Moral von der Geschicht:

Trotz wirklich starkem Einsatz der tierärztlichen Fraktion ist die tatsächlich richtige Diagnose ein Glücksfall gewesen, derallerdings keine Bedeutung mehr hatte. Bluttransfusion und Infusionen wären in jedem Fall notwendig gewesen.Einzig hätte man dem Hund, wäre Zink als Parameter beim ersten Blutbild beinhaltet gewesen, einige Medikamente gegen Babesien,Antibiotika und Cortison ersparen können. Wenn Leben nur noch schwach wahrzunehmen ist, sind Nebenwirkungen von unnützen Medikamenten sicher entbehrlich.

Wichtigsollte nur sein, dass jeder, der hier involviert war oder Kenntnisvon dieser Symptomatik hat bei ähnlichen Fällen (Blut im Urin,plötzliches hohes Fieber) beim ersten Blutbild Zinkauf dem Zettel hat. Das kostet wenig und kann zum richtigen Zeitpunkterkannt eine deutliche Hilfe sein.

Achja, wie kommt ein Hund zu einer Zinkvergiftung. Es reicht eine Knopfbatterie aus einem Fotoapparat, die vielleicht achtlos weggeworfen wurde oder zuhause zugänglich war. Auch eine verzinkte Schraubenmutter könnte ausreichen, die würde man beim Ausscheiden dann auch nur mit Glück sehen. Zinkhaltige Salben sind ebenfalls zu vermeiden. Größere Teile müsste man röntgenologisch sichtbar machen, aber hier sollten wir dann wirklich nicht mehr weiter ins Detail gehen.

Angel geht es wieder gut, das ist das erfreuliche Ergebnis einer chaotischen Winterwoche in der Saison 2008/2009.

 

 

 

Gesendet von : Frank,  29.04.2009
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